Projekt „SchöpfungsGarten“

Lebensräume schaffen. Schöpfung bewahren.

Im Rahmen der Blühpakt-Allianz mit der Katholischen Kirche in Bayern (vertreten durch die Freisinger Bischofskonferenz) läuft das Projekt "SchöpfungsGarten". Es lädt alle Akteure in der Katholischen Kirche in Bayern dazu ein, biodiversitätsfreundliche Flächen zu gestalten, um heimische Pflanzen und Tiere – insbesondere Insekten – aktiv zu unterstützen.

Damit ein Biodiversitätsprojekt erfolgreich sein kann, ist eine standortangepasste Gestaltung mit heimischen Wildpflanzen, vielfältigen Lebensraumstrukturen und einer nachhaltigen ökologischen Pflege oder Bewirtschaftung nötig. Ökologisch hochwertige Lebensräume wie zum Beispiel Wiesen, Säume, Staudenbeete, Bäume, Streuobstwiesen, Hecken, Trocken-Sandbereiche, Trockensteinmauern, Totholzbereiche und Feuchtbiotope werden erhalten oder neu angelegt.

Jede naturschutzfachlich wertvolle Fläche – ob großflächiger Lebensraum oder kleiner Trittstein – leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Darüber hinaus gilt der Grundsatz "Pflege vor Neuanlage", denn bereits bestehende, alte Lebensräume sind häufig besonders wertvoll. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter den Blühpakt Leitlinien.

Die folgende Zusammenstellung versteht sich als Orientierungshilfe. Während eine umfassende Berücksichtigung die Qualität steigert, ist jedes Teilprojekt bereits ein wichtiger Baustein für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt. Jeder umgesetzte Aspekt ist ein Gewinn.

Wie gelingt ein hochwertiges Biodiversitätsprojekt?

Vorwiegend heimische Wildpflanzen verwenden

Ein hochwertiges Biodiversitätsprojekt setzt vor allem auf heimische Wildpflanzen. Da sich heimische Pflanzen und Tiere über Jahrtausende perfekt aneinander angepasst haben, bieten diese einen deutlich höheren ökologischen Mehrwert als gebietsfremde Pflanzenarten. Sie dienen nicht nur als Rückzugsort und Nestbaumaterial, sondern liefern auch wichtige Nahrung in Form von Pollen, Nektar oder anderen Pflanzenteilen. Zudem verfügen heimische Wildpflanzen über eine größere genetische Variabilität als Zuchtformen und können sich daher besser an sich verändernde Umweltbedingungen, zum Beispiel durch den Klimawandel, anpassen. Durch die gezielte Verwendung heimischer Wildpflanzen entstehen wichtige Lebens- und Rückzugsräume, die maßgeblich zum Schutz bedrohter Insekten und zur Förderung der biologischen Vielfalt beitragen.

Unterschiedliche Lebensräume schaffen

Durch ein Mosaik aus Nahrungsangebot und unterschiedlichen Strukturen wird eine Fläche zu einem besonders vielfältigen, hochwertigen Lebensraum für verschiedene Insekten und andere Arten. Heimische Wildpflanzen bieten dabei nicht nur die passende Nahrung, sondern stellen auch einen wertvollen Lebensraum durch Aufenthalts-, Brut- und Überwinterungsplätze dar. Steinhaufen, Trockensteinmauern, offene Bodenstellen und Sandbereiche bieten ebenso wie stehendes oder liegendes Totholz, Totholzhecken, Benjeshecken, Wasserstellen und Nisthilfen wichtige Rückzugsorte und ergänzen die pflanzliche Vielfalt um wertvolle Strukturen. Bei der Auswahl der Pflanzen wird darauf geachtet, dass Tiere ganzjährig einen Lebensraum vorfinden. So sollten die Flächen u. a. für die Insekten vom Frühjahr bis zum Herbst ein durchgängiges Blütenangebot durch früh- und spätblühenden Pflanzenarten aufweisen. Über den Winter sollten ungestörte Bereiche Raum für die Überwinterung bieten.

Natürliche Dynamik zulassen

Eine biodiversitätsfreundliche Fläche zeichnet sich durch das Zulassen natürlicher Entwicklungen aus: Pflanzflächen verändern sich nicht nur im Jahresverlauf, sondern auch über die Jahre hinweg, indem die Pflanzen an manchen Stellen verschwinden oder neue Räume besiedeln, beispielsweise durch Aussamung und Ausläuferbildung. Dies macht diese Flächen so interessant, anpassungsfähig und wertvoll.

Biodiversitätsfreundlich pflegen

Auch biodiversitäts- und insektenfreundliche Flächen benötigen regelmäßige Pflege, da sich ohne menschlichen Eingriff über die Jahre eine zunehmende Verbuschung einstellen und später eine Waldvegetation durchsetzen würde. Um eine Vielfalt an Lebensräumen zu bewahren, müssen Gehölzsämlinge sowie invasive Pflanzen entfernt und Wiesen regelmäßig gemäht werden. Dabei sollte die Mahd lediglich ein- bis maximal dreimal pro Jahr erfolgen, damit blühende Pflanzen vollständig zum Aussamen kommen können. Um die Mahd insektenfreundlich zu gestalten, sollte man auf das Mulchen verzichten. Statt das Schnittgut auf der Fläche liegen zu lassen, wird es abtransportiert, wodurch der Boden mit der Zeit magerer wird. Dies gibt wiederum mehr Pflanzenarten die Chance, sich zu entwickeln und die Artenvielfalt steigt. Eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm bietet Insekten die Möglichkeit, sich in Bodennähe zu flüchten. Um wertvolle Rückzugsmöglichkeiten für Insekten zu schaffen, bleiben zudem bei jeder Mahd Teilflächen sowie Altgrasbereiche über den Winter hinweg stehen. Denn hierin finden Insekten und Kleintiere einen geschützten Platz zum Überwintern, der sie vor Witterungseinflüssen und Fressfeinden bewahrt. Heimische Stauden in Beeten werden frühestens im späten Frühjahr zurückgeschnitten und herabgefallenes Laub wird stellenweise als wertvoller Überwinterungsplatz für Insekten und Kleintiere belassen.

Nachhaltig bewirtschaften und Lichtverschmutzung vermeiden

Eine nachhaltige Bewirtschaftung zeichnet sich dadurch aus, dass auf den Einsatz von Pestiziden, synthetischen Düngern sowie torfhaltigen Substraten verzichtet wird. Mit der Zeit stellt sich ein natürliches, erwünschtes Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen ein, welches durch den Einsatz von Pestiziden geschädigt würde. Dieses Gleichgewicht regelt vieles von selbst.
Ebenso wird auf den Einsatz von Mährobotern und Laubsaugern verzichtet, da diese eine erhebliche Verletzungs- und Lebensgefahr für Insekten und Kleintiere wie z.B. Igel darstellen. Ebenso werden potenzielle Gefahrenquellen wie Lichtschächte oder Wassertonnen ohne Ausstiegshilfen vermieden. Zudem sollten bauliche Strukturen wie Zäune und Beeteinfassungen die Möglichkeit der Durchquerung bieten. Um Insekten zu schützen, wird die nächtliche Außenbeleuchtung auf ein nötiges Minimum reduziert. Dies gelingt durch eine geringe Lichtintensität und eine gezielte Lichtlenkung nach unten, was Blendung und Streulicht minimiert. Eine niedrige Montagehöhe sowie warmgelbes Licht unter 2700 Kelvin sorgen zusätzlich dafür, dass die Anziehungskraft auf Nachtfalter und andere Insekten so gering wie möglich bleibt. Wenn möglich, kommen automatische Abschalteinrichtungen oder Bewegungsmelder zum Einsatz.
Auch viele Fledermausarten profitieren maßgeblich von einer reduzierten Beleuchtung. Ihr tief verwurzelter Urinstinkt lässt sie helles Licht meiden, um nicht selbst zur leichten Beute für Fressfeinde zu werden. Künstliches Licht wirkt dadurch für viele Arten wie eine unüberwindbare Barriere, die sie von ihren Jagdgebieten oder Quartieren abschneidet.
Eine gezielte Lichtlenkung und der Verzicht auf unnötige Lichtquellen erhalten somit wertvolle Lebensräume und sichern die nächtlichen Flugrouten.

Weiterführende Informationen zu heimischen Wildpflanzen

Warum sind heimische Wildpflanzen essentiell für hochwertige Lebensräume?

Informationen hierzu finden Sie unter den Blühpakt Leitlinien.

Was versteht man unter gebietseigenen Pflanzen?

Pflanzenmaterial wird als gebietseigen (= gebietsheimisch) angesehen, wenn es seinen genetischen Ursprung in der Region hat, in der es wieder ausgebracht werden soll. Zur Festlegung dieser Gebiete wurde Deutschland für gebietseigene Kräuter und Gräser in 22 Ursprungsgebiete (= Herkunftsregionen) unterteilt. Die gebietseigenen Pflanzen haben sich über lange Zeiträume hinweg an die regionalen Klima- und Umweltbedingungen angepasst. Daher sind sie zumeist wuchskräftiger und widerstandsfähiger als ihre Artgenossen aus entfernteren Regionen. Zudem ist ihr jahreszeitlicher Rhythmus des Blühens und Fruchtens perfekt auf die Entwicklungszyklen der von ihnen lebenden Insekten abgestimmt. Sie sind somit für den Erhalt der vor Ort lebenden Insekten von großer Bedeutung.

Anstatt Flächen anzusäen, ist es ideal, Lebensgemeinschaften innerhalb der Region zu übertragen. Wenn Sie größere Flächen anlegen wollen, erkundigen Sie sich bei Ihrem zuständigen Landschaftspflegeverband, ob ggf. eine Mähgutübertragung für die Anlagen von blühenden Flächen in Frage kommt.

Folgende Zertifikate für gebietseigene Pflanzen gibt es in Deutschland:

  • Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. (VWW) VWW-Regiosaaten®, VWW-Regiostauden®, VWW-Regiogehölze® und Wiesendrusch
    Bezugsquellen – VWW
  • Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V.
    Regiosaatgut – RegioZert®
    Bezugsquellen – RegioZert®

Projekt „Heimat.pflanzen – für Insekten“ im Rahmen der Blühpakt-Allianz mit dem Bayerischen Gärtnerei-Verband

Der Blühpakt Bayern führt gemeinsam mit dem Bayerischen Gärtnerei-Verband e. V. das Projekt „Heimat.pflanzen – für Insekten“ durch. Mit dem Projekt sollen die Produktion und die Verwendung von heimischen Wildpflanzen sowie das Wissen über ihre Bedeutung für unsere heimischen Insekten gesteigert werden. Weitere Informationen sowie einen Link zu den teilnehmenden Gärtnereien finden Sie auf der Projektseite.

Weiterführende Informationen zur Eindämmung von Lichtverschmutzung

Wie schaut eine Insektenfreundliche Beleuchtung aus?

Die Beleuchtung des Außengeländes ist für viele nachtaktive Insekten eine tödliche Falle. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die erforderliche Beleuchtung sicherzustellen und trotzdem insektenfreundlich zu gestalten. Weitere Informationen finden Sie hier:

Weiterführende Publikationen

Informationen vom Blühpakt Bayern und dem Landesamt für Umwelt

Ansprechpartner im Rahmen des Projekts „SchöpfungsGarten“